Unsere Sprache ein Gefängnis?

© AlienCat - Fotolia.com

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Die wohl berühmtesten Worte des Philosophen Ludwig Wittgenstein sind sein Ausspruch: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ In der Tat kann man vor allem die eigene Muttersprache als Gefängnis betrachten, das unausweichlich die Wahrnehmung und Denkbewegung prägt. Vor allem die relativistische Schule, die ins 19. Jahrhundert bis zu Wilhelm von Humboldt zurück reicht, sieht unterschiedliche Sprachen als konstitutiv für unterschiedliche Weltbilder. Doch in ihren Ausführungen bleiben die Anhänger dieser Denkrichtung meist ziemlich schwammig. Die eigene Sprache als Gefängnis – wie kann man sich das jenseits vom abstrakten Philosophenjargon ein bisschen anschaulicher vorstellen?

Ein konkretes Beispiel: Ein Europäer und ein Indianer beobachten, wie ein Stein auf die Erde zu rast. Der Europäer zerlegt den Vorgang sofort in zwei Begriffe: Einmal den Stein und einmal seiner Tätigkeit, das Fallen. Der Europäer sagt also etwas wie: „Der Stein fällt.“ Viele Indianerstämme aber kennen kein Verb, das unserem „fallen“ ähnelt. Hingegen benutzen sie ein Wort für jede Bewegung eines Steins, nehmen wir einfach „steinen“ an. Der Indianer sagt also ungefähr: „Es steint herab.“

Was auf den ersten Blick nicht allzu unterschiedlich aussieht, weist bei einer näheren Analyse allerdings drastische Unterschiede auf, die auch stark das Weltbild, das tägliche Empfinden und Handeln, prägen. In der zivilisierten Welt glauben wir etwa stillschweigend und ohne Diskurs an eine strenge Subjekt-Objekt-Trennung. Immerzu zergliedern wir die Welt und geben für alles möglichst objektive und kausale Gründe an. Der Indianer hingegen trennt nicht zwischen dem Gegenstand und dem Sachverhalt, ihm kommt es viel eher so vor, als würde eine unsichtbare Kraft, vielleicht eine Gottheit, Steine aus dem Himmel werfen.

So ist es offensichtlich, wie Sprechgewohnheiten unser Denken und unsere Wahrnehmung formen. Doch allzu viele Sorgen sollte man sich auch nicht machen. Schließlich meint der Indianer am Ende auch dasselbe wie wir.

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