Havelländisches Plattdeutsch sehr bedroht

© Natalie Prinz - Fotolia.com

© Natalie Prinz - Fotolia.com

Das havelländische Plattdeutsch ist vom Aussterben bedroht. Die mittelmärkische Mundart stammt vom Ostniederdeutschen ab und wird heute kaum noch bis gar nicht mehr gesprochen. Durch die vielen Berliner und Brandenburger, die ins Havelland gezogen sind, wurde der Dialekt verwässert; die Einheimischen haben den neuen Wortschatz der Zugezogenen übernommen, die eigenen Wörter haben sie vergessen. Ausserdem wurde das Hochdeutsch in der Schule zur Pflichtsprache erhoben, denn das Platt galt als Sprache der kleinen Leute, als grob.
Der wohl einzige Schriftsteller, der je auf havelländisch geschrieben hat, war Fritz Lening. Sein Werk “Dree Wiehnachten”, sein einziges, ist dem plattdeutschen Stammtisch eine Bibel. Darin finden sich Ausdrücke des speziellen Dialekts, einer Mundart des Mittelmärkischen. Seine Entstehung kann noch bis zum Anfang des ersten Jahrtausends auf die ersten havelländischen Siedler aus dem Westen zurückgeführt werden – darunter Nordschwaben, Rheinländer, Flamen und auch Holländer. Der Dialekt klingt weich, die Vokale werden eher dunkel ausgesprochen, zum Beispiel wird das a zum oa (wie das skandinavische a mit ° obendrauf). Ein g wird entweder wie ch, j oder w gesprochen. Das Havelland wird also zum “Hoagelland”, der Vogel zum “Foujel”. Natürlich ist ein Buch in dieser Art schwer zu lesen, es gibt ja auch keinen offiziellen Duden.
Obowohl sich einige Leute bemühen, diesen Dialekt vorm Aussterben zu schützen, scheint er verloren zu sein. Denn die Mitglieder des plattdeutschen Stammtischs sind nicht unter 50 und sprechen selber kaum fließend havelländisches Platt. Ausdrücke wie Per (für Pferd) oder Wöddelbesn (Wurzelbesen) sind dann wohl für immer verloren. Die jüngere Generation hat bisher leider kein Interesse an und keine Verbindung zu dem schönen Dialekt.

Hinterlasse eine Nachricht