Frankreich – Ohne “Herrlein” auch kein “Fräulein” mehr

© Marco Bonan - Fotolia.com

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Unser Nachbarland hat sich mit der Gleichberechtigung ordentlich Zeit gelassen: Erst jetzt schafft Frankreich die sexistische Anrede “Mademoiselle”, zu Deutsch “Fräulein”, ab. In Deutschland wurde das Wort bereits im Jahr 1971 aus allen offiziellen Dokumenten und Papieren verbannt. Trotz des Beschlusses sollen die übrigen Formulare, die das Wort enthalten, noch in Ruhe aufgebraucht werden. Es ist ja sowieso in Frankreich an der Tagesordnung, das Frauen mit der sexistischen Verniedlichungsform angesprochen werden. Ob unter Freunden, auf der Bank oder im Café – das Fräulein ist in Frankreich gang und gebe. Dennoch ist der Beschluss für Sozialministerin Roselyne Bachelot genug, um das “Ende der Diskriminierung” auszurufen.

Die Frauenrechtler in Frankreich sehen das Ganze ein wenig realistischer. Sie begrüßen natürlich den Beschluss, der auf einen Vorschlag der Ministerin vom vergangenen November zurückgeht. Gleichzeitig fordern viele Organisationen und Aktivisten, auch die Unternehmen und freie Wirtschaft müsse die “Mademoiselle” aus ihrem Vokabular streichen.

Doch auch in Deutschland ist das Fräulein noch hartnäckiger vertreten, als viele meinen. Kürzlich erst erschien auf dem Markt ein Magazin für junge Frauen, das “Fräulein” heißt, und auch in den vielen Klatsch- und Traschblättern wetterte man erst kürzlich gegen das unverheiratete “Fräulein” Daniela Schadt, die Lebensgefährtin von Hoachim Gauk. Etwas aus der Amtssprache zu streichen, bewirkt nun einmal keine große Veränderung. Die muss in den Köpfen der Menschen stattfinden. Und da scheint nicht nur unser Nachbarland Nachholbedarf zu haben.

Wie beleidigend und diskrimierend es ist, eine Frau als “Fräulein” zu bezeichnen, zeigt alleine schon, wie absurd die entsprechende männliche Form anmutet – oder haben sie schon einmal von einem Herrlein gehört?

4 Kommentare zu “Frankreich – Ohne “Herrlein” auch kein “Fräulein” mehr”

  1. Elsa 10 März 2012 at 10:02 am #

    ja, das ist wirklich absurd..aber auch wenn das nicht mehr in den offiziellen Papieren verwendet wird, dauert es sich eine Weile bis es keiner mehr benutzt in Frankreich..in Deutschland ist das Wort ja auch noch nicht ausgestorben..zum Glück benutzt es aber nur noch die ältere Generation, bei den jüngeren Menschen hat sich wohl schon etwas im Denken verändert.

  2. Maria 12 März 2012 at 9:01 am #

    Das schlimme an der ganzen Sache st ja, dass unsere Sprache auch unsere Realtität schafft, mir als Feministin stehen da alle Haare zu Berge. Eine andere Diskussion aber auch wichtig foinde ich das Duzen und das Siezen in unserer Sprache, und im Französischen ja auch. Ich sehe mich da oft im Konflikt und weiß nicht, wen ich duze und wen nicht. Das Englische hat uns da einiges voraus finde ich

  3. Ingrid 30 Mai 2012 at 10:16 am #

    Guten Tag,

    also das man gleich ist und auch so behandelt und angeredet werden sollte ist eigentlich verständlich. Dennoch sollte man nicht vergessen wo die Wörter und Anreden herkommen und ihre Historie vergessen.
    @Maria, die Regeln in Bezug auf das Duzen und Siezen ist ganz einfach, je weniger man sich kennt desto eher wird gesiezt, Ältere Personen oder Vorgesetzte werden auch gesiezt und zwar solange bis sie einem das Du anbieten. Ganz einfach, damit kommt man fast immer klar.

  4. min 8 Oktober 2012 at 10:56 pm #

    Kommt drauf an wo mans benutzt. Fräulein im Beruf ist unangebracht, auf der Straße als Anrede für junge Frauen nicht. Ich (anfang 20) empfinde es als wesentlich freundlicher wenn mich ein älterer Herr, der zB nach dem Weg fragt, mit Fräulein anspricht als mit “ähm, Sie da”.


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